Samstag, 3. Juli 2010

Becker Schmitz bei Public Republic

RoRoRoboter
Becker Schmitz, unser großartiger Künstler aus Ruhryork, wurde von der Blogseite public republic interviewt. Und da wir ein großer Freund von ihm sind und er ein großer Freund von uns ist, wollen wir euch das Interview natürlich nicht vorenthalten!


Artist of the Week — Becker Schmitz

Interview von Dessislava Berndt mit Stefan Becker-Schmitz
Stefan, wie sind Sie zur Malerei gekommen?

Die Malerei ist zu mir gekommen. Aber der Ursprung liegt wohl in den Farben, die mich ständig umgeben und gebrandmarkt haben. Comic, Werbung, Zeichentrickfilme und graue Hinterhöfe. Irgendwann habe ich mich lediglich entschieden, diesen illustren Farbwust abzuarbeiten. Dass ich dafür Pinsel und Leinwand nutze, ist eine Entscheidung, die ich treffen musste, weil das Material relativ beständig ist, genau wie meine Themen. Wissen Sie, ich hatte keine Lust mehr vor den wichtig gemachten Banalitäten zu Kreuze zu kriechen. Malen ist somit ein Stück Befreiung und Knechtschaft zugleich, denn ich widme mich einer Sache, die ich liebe und gleichermaßen verdamme.

Was inspiriert Sie? Wie finden Sie Ihre Motive?

Meine Motive waren schon immer da und werden auf der Leinwand nur ein Stück weit sichtbar. Die Welt ist eine Flut von Eindrücken, die sich in einen Pool ergießen und diesen stetig füllen. Ich springe hinein und weil sich der Pool immerfort verändert, tauche ich jedes Mal an einer anderen Stelle wieder auf. Der Moment indem ich eine Arbeit abschließe, ist der Moment des Auftauchens. Ich würde gerne mal in Ihren Pool, den Pool eines jeden einzelnen Lesers eintauchen und sehen was passiert.

Wo entstehen Ihre Kunstwerke?

Meine Arbeit entsteht überall, aber wenn ich auftauche, stehe ich meist in meinem Atelier.

Wie haben Sie Ihr künstlerisches Handwerk gelernt?

Das Eintauchen ist nichts was man lernen kann, es ist da. Genau wie die Relativitätstheorie, sie war auch schon immer da. Einstein hat sie mit Hilfe von Zahlen und Schrift nur für alle sichtbar gemacht. Leinwände kann jeder bespannen und kaufen sowieso, erst recht Farbe auf einen Untergrund verteilen. Aber eintauchen und die Relativitätstheorie sichtbar machen, das kann man nicht lernen.

In drei Sätzen: Warum machen Sie Kunst?

Ich mache doch keine Kunst; ich tauche ein und das ist harte Arbeit.

Welche Techniken bevorzugen Sie und warum?

Jede Technik die nötig ist; das hängt davon ab was entstehen will. Will ich ein Haus, dann sollte ich es nicht malen, dann sollte ich es aus Stein bauen. Zurzeit liegt der Fokus auf Leinwand und Papierarbeiten. Mit diesen Mitteln kann man schnell und problemlos produzieren und sichtbar machen.

Wie lange brauchen Sie in der Regel für ein Kunstwerk?

Da ist es schon wieder, dieses Kunstwerk. Wann eine Arbeit fertig ist, bestimmt die Arbeit selbst. Ich tauche auf und sie ist da, dass kann ein Moment sein oder auch Monate dauern. Manchmal ist das auch problematisch, denn am liebsten würde ich gleich alles sichtbar machen und produzieren. Aber das liegt nicht in meiner Macht. Denn eine Arbeit hat erst dann eine Existenzberechtigung, wenn sie sprechen gelernt hat, und das kann dauern.

Gibt es Menschen, die Ihre Arbeit beeinflusst haben?

Natürlich, vor allem die Menschen die mir den Rücken freihalten und ihr Vertrauen schenken, damit ich mich voll und ganz auf die Arbeit konzentrieren kann; das weiß ich sehr zu schätzen.

Was lieben Sie an Ihrer Arbeit?

Ich liebe den Moment, in dem ich auftauche und mit einer Arbeit fertig bin. Dann kann ich mich einer neuen Arbeit zuwenden und ihr helfen, sichtbar zu werden.

Gibt es Kooperationen/Projekte mit anderen Künstlern?

Sicher, ich arbeite mit zahlreichen Menschen zusammen, Hand in Hand bilden wir die Front vor der Front. Fotografen, Maler, Bildhauer, Medien und Musiker.

Wovon träumen Sie?

Einen großen Traum habe ich, mal mit Walt Disney und Friedrich Nietzsche tauchen zu gehen. Sicher, das würde die Welt nicht verändern, aber ungeahntes sichtbar machen.

Wie sehen Ihre Pläne in 2010 aus?

Ich arbeite gerade an einem Katalog, sobald es dazu näheres gibt, werde ich es hier als erstes bekannt machen. Am 8. Mai endet meine Ausstellung „BIGGER IS BETTER AND SMALLER IS TALLER“ in Berlin, eine weitere ist schon geplant.
Und im Jahr der Kulturhauptstadt RUHR.2010 werden einige Aktionen laufen, z.B. im Rahmen der „LOCAL HEROES“ in Oberhausen. Weitere Projekte im In- und Ausland sind geplant. Aktuelles findet sich in meinem BLOG.

Wo kann man Ihre Arbeiten besichtigen und erwerben?

Natürlich in meinem Atelier, in den laufenden Ausstellungen und im Internet unter www.beckerschmitz.com.

Danke an Public Republic, dass wir das Interview mitveröffentlichen durften!

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